17. January 2021

DER KOMPASS

DAS FORMAT FÜR KRITISCH DENKENDE

Wie erkenne ich Verschwörungserzählungen?

Verschwörungstheorien – oder besser Verschwörungserzählungen – erleben dank der Corona-Pandemie ihr großes Comeback. Bis vor Kurzem hörte man nur von extremen Beispielen, wie den Flatearthers, die an eine flache Erde glauben. Doch nun haben sie Einzug in unseren Alltag gewonnen. Ähnlich wie bei Fake News verstecken sich auch in Verschwörungserzählungen Gefahren für unsere Demokratie und unser gesellschaftliches Miteinander. In der aktuellen Corona-Krise sorgen sie etwa dafür, dass manche Menschen sich weigern in öffentlichen Räumen eine Maske zu tragen. Dadurch erhöhen sie die Ansteckungsgefahr für alle.

Das Entdecken einer Verschwörungserzählung ist oft gar nicht so einfach. Deswegen folgen hier nun einige Anhaltspunkte, nach denen man Ausschau halten sollte, wenn man eine Verschwörungserzählung vermutet.

Was macht eine „Verschwörung“ aus?

Grundlegend für jede Verschwörungserzählung ist natürlich eine „Verschwörung“. Diese fiktiven „Verschwörungen“ haben einige gemeinsame Merkmale. Das wichtigtste Kennzeichen ist eine Gruppe, die angeblich schon für einen langen Zeitraum einen großen Einfluss auf das Weltgeschehen hat, das ist der Zusammenschluss von „Verschwörern“. Diese Gruppe plant vermeintlich den anderen Menschen Schaden zuzufügen und ist tief in dunkle Machenschaften verstrickt. Michael Butter erklärt in seinem Buch „Nichts ist, wie es scheint“, dass meist gar nicht klar ist, wer denn diese „Verschwörer“ überhaupt sind. Sie werden nicht identifiziert und nur nebulös umschrieben.

Alles was im Rahmen der Verschwörungserzählung geschieht, ist anscheinend miteinander verbunden. Die Verschwörungserzählung nimmt für sich in Anspruch, alle großen Ereignisse der Weltgeschichte und Zufälle zu erklären.

Gut gegen Böse!

Mythen und Erzählungen rund um „Verschwörungen“ folgen meist dem Schema „Gut gegen Böse“ oder „Wir gegen die da oben – die Elite“. Dabei ist es meist viel komplexer! Oft werden für tragische Ereignisse (Naturkatastrophe, Pandemie, Terror) Erklärungen gesucht. Beispielsweise gibt es zu dem Ursprung des Coronavirus einige, sich widersprechende, Verschwörungserzählungen. Für manche Menschen ist es einfacher mit einer Situation umzugehen, wenn es jemanden gibt, dem man die Schuld geben kann. Ob diese Schuldzuweisung nachprüfbar ist oder sogar schon widerlegt wurde, ist für sie dann nebensächlich.

Die Expertin Caroline Heinrich erklärt es auch in unserem Video, sie findet Verschwörungserzählungen sogar richtig langweilig!

Schwere Zeiten – das Spiel mit den Emotionen

In Zeiten, die von Unsicherheit und Angst geprägt sind, verbreiten sich Verschwörungserzählungen sehr schnell – beispielsweise jetzt, während der Coronavirus-Pandemie. Man sollte dann besonders wachsam und aufmerksam sein!  
Ebenso kann ein persönlicher Schicksalsschlag, wie eine schwere Erkrankung, dazu führen, dass sich Menschen Verschwörungserzählungen zuwenden. Verschwörungserzählungen bieten Antworten, die für einige leichter zu ertragen sind als die komplexe und unangenehme Realität, die nicht immer konkrete Antworten parat hat.

Achtung: Manche Menschen spielen bewusst mit der Angst von Anderen und nutzen diese für ihre Zwecke aus. Beispielweise, um Geld zu verdienen.

Zu viele Insider

Oft hilft es sich zu überlegen, wie viele Personen, denn wirklich von einer Verschwörung wissen müssten und die Frage, ob so eine große Anzahl von Personen auch wirklich ein Geheimnis bewahren könnte. Durchdenkt man gängige Verschwörungserzählungen stellt sich heraus, dass hunderte oder sogar tausende Menschen daran beteiligt sein müssen. Dass das auf lange Zeit gut geht ist kaum möglich. In ihrem Video „Die Pharma-Verschwörung“ zeigt Mai Thi Nguyen-Kim von mailab beispielhaft worauf man achten muss.

Ist der Inhalt überprüfbar?

Informationen müssen überprüfbar sein und einem Faktencheck standhalten. Können Informationen nicht überprüft werden, sollte man hellhörig werden – es könnte sich um Falschinformation handeln! Das ist der Grund, warum wir in diesem Beitrag von Verschwörungserzählungen und nicht von Verschwörungstheorien schreiben. Katharina Nocun und Pia Lamberty erklären das in ihrem Buch „Fake Facts – Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen“ folgendermaßen:

Eine Theorie ist eine wissenschaftlich nachprüfbare Annahme über die Welt. Wenn sich diese als falsch herausstellt, wird sie auch wieder verworfen. Die Verschwörungserzählung zeichnet sich aber eben genau dadurch aus, dass sie sich der Nachprüfbarkeit entzieht.

Hält die Erzählung einem Quellencheck und einem Faktencheck stand?

Hat man einen Inhalt erhalten, der einem nicht ganz koscher vorkommt, lohnt sich immer ein Quellencheck. Das bedeutet, man recherchiert die Quellen des Inhalts, um sie anschließend zu bewerten. In unserem Beitrag 10 Fragen, die eine gute Quelle beantworten muss haben wir das genauer erklärt. Nach einer sorgfältigen Recherche wird man meist wissen, ob es sich um eine vertrauenswürdige Quelle handelt.

Genauso wichtig, wie ein Quellencheck ist der Faktencheck. Hierbei überprüft man die Fakten, des Inhaltes. Oft ist das gar nicht so einfach und man benötigt Fachwissen. Zum Glück gibt es aber Experten und Expertinnen, an die man sich wenden kann! Das können Personen sein, die sich ganz besonders gut mit dem Thema auskennen oder Faktenchecker und Faktencheckerinnen. Falls es sich um ein Bild handelt, kann man auch die Bilderrückwärtssuche nutzen.

Tipp: Oft hilft es, wenn man bei der Google-Suchanfrage „Faktencheck“ dazu eintippt!

Unterschied zu echten Verschwörungen

Die Krux an Verschwörungserzählungen ist, dass es tatsächlich auch echte Verschwörungen gibt. Diese unterscheiden sich aber klar, von den fiktiven „Verschwörungen“ in der Einleitung. Denn sie finden nur in einem kleinen Kreis, für eine kurze Zeit statt und haben bei weitem nicht so viel Macht, wie es in Verschwörungserzählungen oft dargestellt wird.
Denn auch diese echten Verschwörungen sind dem Zufall und menschlichen Fehlern unterworfen, dass sind auch Gründe, warum sie aufgedeckt werden. Bekannte Beispiele sind die Abhör-Skandale der Watergate-Affäre oder der Abgasskandal der Automobilbranche.

Eine einfache Erklärung gibt’s meistens nicht!

Wie es jetzt schon öfters erwähnt wurde, lässt sich schlussendlich zusammenfassen: Eine einfache Erklärung gibt es oft einfach nicht. Genau das bieten Verschwörungserzählungen aber an: Erklärungen und Lösungen, die uns die Welt vereinfachen – das macht sie so verführerisch. In Verschwörungserzählungen werden Faktoren, wie Zufall, menschliche Fehler und Naturkatastrophen nicht beachtet. Sie haben logische Fehler, sind nicht schlüssig und bauen auf Falschinformationen auf.
Darum ist es wichtig immer skeptisch und aufmerksam zu bleiben und Informationen aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten.

Dieser kurze Leitfaden hat einen Überblick über die Merkmale von Verschwörungserzählungen gegeben. Nun ist es an euch aufmerksam zu bleiben und im Zweifelsfall eine eigene Recherche durchzuführen!

Für weitere Tipps empfehlen wir euch unseren Artikel Jemand glaubt an eine Verschwörungserzählung – was tun?.

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