17. January 2021

DER KOMPASS

DAS FORMAT FÜR KRITISCH DENKENDE

Wie entwickelten sich Verschwörungserzählungen?

Verschwörungserzählungen sind wesentlich älter als viele glauben. Es gab sie schon lange, bevor es Telegram, YouTube und Co. gab, schon in der Antike gab es Vorläufer. Das Internet hat allerdings für neue Verbreitungswege und Dynamiken von Verschwörungserzählungen gesorgt. Möchte man etwas gegen Verschwörungserzählungen unternehmen ist es von großer Hilfe, die Geschichte dahinter zu kennen. Deswegen folgt hier ein ganz kurzer Abriss, der mit heutigen Ereignissen und möglichen Zukunftsaussichten endet!

Eine kurze Geschichte der Verschwörungserzählungen

In Europa verbreiteten sich Verschwörungserzählungen wahrscheinlich ab dem 14. Jahrhundert. Der Historiker Claus Oberhauser erklärt in unserem Video, dass bereits damals Juden und Jüdinnen unterstellt wurde, schuld am Ausbruch der Pest zu sein. Im 18. Jahrhundert rückten die Freimaurer und Illuminaten in den Fokus von Verschwörungserzählungen. Ihnen wurde unterstellt, dass sie die französische Revolution ausgelöst hätten. Im 19. Jahrhundert spielte der Antisemitismus erneut eine große Rolle in Verschwörungserzählungen. Bei diesen Verschwörungserzählungen handelt es sich ganz klar um Falschmeldungen!

Lange Zeit galten diese Verschwörungserzählungen als legitimes Wissen. Das bedeutet, dass sie offiziell als Wissen anerkannt wurden. Überraschenderweise werden Verschwörungserzählungen noch gar nicht so lange als das wahrgenommen, was sie wirklich sind: Falschinformation. Der COMPACT-Leitfaden zu Verschwörungstheorien erklärt, dass es erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einer kritischen Auseinandersetzung mit Verschwörungserzählungen im Westen kam. Doch leider gibt es noch einige Länder auf der Welt in denen Verschwörungserzählungen als offizielles Wissen anerkannt werden. Es ist also ein hochkomplexes Thema!

Wie schaut es aktuell in Österreich aus?

Die Corona-Pandemie ist eine gesamtgesellschaftliche Krise. Solche Zeiten führen zu einem vermehrten Auftreten von Verschwörungserzählungen, schlussfolgert Claus Oberhauser aus unserer Geschichte. Das ist ein guter Grund, sich genau mit Verschwörungserzählungen auseinanderzusetzen, um sie rechtzeitig erkennen zu können und nicht auf sie reinzufallen.

Wie man Verschwörungserzählungen am besten erkennt, erfährt ihr hier.
Wenn ihr Hilfe zum Umgang mit Verschwörungsgläubigen braucht, wird euch dieser Blogpost weiterhelfen.

Bringt das Internet die Renaissance der Verschwörungserzählungen?

Oft wird eine Verbindung zwischen der Ausbreitung von Verschwörungserzählungen und dem Internet hergestellt. Aber warum ist das so und was ist dran?

Das Internet bietet vielen Menschen eine Plattform, die davor keine hatten. Wollte man früher vielen Menschen etwas mitteilen, war es mit einigem Aufwand verbunden. Heute braucht man nur ein paar Klicks. Das hat einerseits viele Vorteile, aber andererseits auch zahlreiche Nachteile. Einer dieser Nachteile ist, dass Falschinformationen schnell viele Menschen erreichen können.

Man kann sich dank dem Internet zu jeder Zeit mit Menschen, die auf der ganzen Welt verstreut sind, in Verbindung setzen und sich austauschen. Es ist toll, sich über sein Hobby mit Menschen in der ganzen Welt zu unterhalten. Aber genau so können sich Menschen über fragwürdige Ideen und Inhalte austauschen und sich gegenseitig in ihrem Denken bestärken. Dadurch fällt man schnell in eine Echokammer oder Filterblase, in der man nur noch in seiner Meinung gefestigt wird und es keinen Platz für andere Argumente gibt. Dabei ist es doch so wichtig, dass man miteinander diskutiert, neue Perspektiven kennenlernt und sich auch einmal einen Fehler eingesteht!

Technische Faktoren

Unabhängig von diesen menschlichen Komponenten gibt es auch technische Faktoren, die zu einer Verbreitung von Falschinformation führen können – beispielsweise die Algorithmen von Social-Media-Plattformen. Facebook, Instagram, YouTube und TikTok haben das Ziel möglichst viele Nutzer und Nutzerinnen zu verzeichnen und diese so lange wie möglich auf ihren Plattformen zu halten. Denn durch angezeigte Werbungen und gesammelte Daten verdienen sie ihr Geld. Die Inhalte auf Social-Media-Plattformen werden meist so angezeigt, dass sie dem Interesse des Nutzers oder der Nutzerin entsprechen. Wenn man sich nun ein Video über eine Verschwörungserzählung ansieht, kann es gut passieren, das man weitere vorgeschlagen bekommt. Das kann dazu führen, dass man sich – ohne es zu merken – nur noch einseitig informiert.

Meist werden auch Inhalte auf Social-Media angezeigt, die bereits viel Aufmerksamkeit in Form von Klicks, Kommentaren und Shares erhalten haben. Ein polarisierendes oder emotionales Thema erreicht meist schnell viel Aufmerksamkeit. Fake News und Verschwörungserzählungen sind oft genau das und bekommen dementsprechend viel Zuwendung. Derzeit arbeiten Social-Media-Plattformen auch daran Verschwörungserzählungen weniger Bühne zu bieten und Falschinformationen zu kennzeichnen. So versuchen sie mitzuhelfen das Problem zu lösen.

Wie geht es weiter?

Es gibt also bestimmte Faktoren, die die Verbreitung von Verschwörungstheorien fördern: Einerseits führt das Internet zu neuen Kommunikations- und Verbreitungswegen und andererseits stecken wir gerade in einer gesellschaftlichen Krise.

Wie es in Zukunft weitergeht ist schwer vorherzusagen und abhängig von kommenden Ereignissen und Phasen. Es ist wichtig, aufmerksam und kritisch gegenüber Online-Inhalten zu bleiben und sich über seriöse Nachrichtenunternehmen zu informieren.

Viele Tipps zum richtigen Umgang mit Online-Inhalten findet ihr in den anderen Blogbeiträgen!

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