17. January 2021

DER KOMPASS

DAS FORMAT FÜR KRITISCH DENKENDE

Jemand glaubt an eine Verschwörungserzählung – was tun?

Oft wird unterschätzt, wie schwierig es ist, mit Verschwörungsgläubigen umzugehen. Einzelne Personen können allerdings viel erreichen, indem sie aktiv auf Falschinformation aufmerksam machen und ihre Freunde und Freundinnen aufklären.

Hier folgen die wichtigsten Verhaltensregeln:

1. Behutsames Vorgehen.

Menschen lassen sich am besten von Personen überzeugen, denen sie vertrauen. Also beispielsweise Freunde und Freundinnen, Partner und Partnerinnen oder Familienmitglieder. Sie haben die größten Chancen, jemanden aus dem Verschwörungssumpf herauszuholen. Doch manche naheliegenden Reaktionen, wie sich über die Person lustig machen oder wütend werden, sind kontraproduktiv. Denn jeder Mensch möchte respektvoll behandelt und ernst genommen werden. Umso wichtiger ist es, dass sich jeder von uns an ein paar Regeln hält, die hier aufgelistet sind. Zusätzlich findet ihr in dem Leitfaden Verschwörungstheorien von Compact weiterer Informationen und eine wissenschaftliche Auseinandersetzung in verständlicher Sprache.

Bevor man sich auf eine Diskussion über Verschwörungserzählungen einlässt, sollte man sich selbst kurz Zeit zum Nachdenken nehmen.

2. Ruhe bewahren!

Es ist besonders wichtig ruhig zu bleiben, wenn man mit einer Verschwörungserzählung konfrontiert wird. Wird man wütend und beginnt zu streiten, verschreckt man vielleicht die Person, die man eigentlich überzeugen möchte. Kein Mensch gibt gerne zu im Unrecht zu sein. Wird man in die Ecke gedrängt und hat das Gefühl, das Gegenüber schaut von oben herab, will man erst recht nicht zugeben, dass man falsch lag.

Ist eine Person schon tief in Verschwörungserzählungen verstrickt, denkt sie möglicherweise sogar, dass jemand, der versucht sie energisch zu überzeugen, selbst Teil der Verschwörung ist. Eine andere Taktik von Verschwörungsgläubigen ist es, die anderen als „Schlafschafe“ abzutun, die die „Wahrheit“ noch entdecken werden.

3. Humor ist nicht immer eine gute Lösung.

Viele Menschen tendieren dazu, sich über Verschwörungsgläubige lustig zu machen. „Haha! Die Aluhutträger, die an eine flache Erde glauben!“ scherzt man. Dabei kann Auslachen dazu führen, dass Personen, die an Verschwörungserzählungen glauben, nur tiefer in die Szene hineingeraten. Denn sie fühlen sich nicht ernst genommen und sind verletzt. Niemand möchte für dumm gehalten werden und wenn man sich einmal irrt, ist es leichter das Unrecht zuzugeben, wenn man respektvoll behandelt wird.

4. Gezieltes Nachfragen & Aufdecken von logischen Fehlern

Wird man mit Verschwörungserzählungen konfrontiert, ist es meist schwierig dagegen zu argumentieren. Denn ein Verschwörungsgläubiger oder eine Verschwörungsläubige hat für alles eine Antwort! Oft fehlt einem das Fachwissen, um Falschinformation zu erkennen und auf diese hinzuweisen. Am besten ist es, sich auf wenige Punkte zu konzentrieren und hier genau nachzuhaken. Dabei sollte man sich nicht in Details verlieren, sondern auf die Grundgedanken des Verschwörungsmythos konzentrieren. Es ist wichtig, an das kritische Denken des oder der Verschwörungsgläubigen zu appellieren. Wo sind logische Fehler, die die Verschwörungserzählung grundlegend in Frage stellen? Man könnte darüber nachdenken, wie viele Menschen tatsächlich Teil einer „Verschwörung“ sein müssten und wie unwahrscheinlich es wäre, dass all diese Menschen, so ein Geheimnis bewahren könnten.

Zum Beispiel bei den vielen Impfmythen klappt das sehr gut. Würde es eine „Verschwörung“ geben, die Menschen durch Impfungen Schaden möchte, müssten alle Ärzte und Ärztinnen, jedes medizinische Personal und nahezu alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Pharmakonzernen Bescheid wissen. Dass es so viele Menschen gutheißen würden, der Bevölkerung zu schaden oder alle so ein großes Geheimnis für sich behalten können, ist mehr als unrealistisch.

5. Gemeinsam Recherchieren

Bei Personen, die erst beginnen sich für Verschwörungserzählungen zu interessieren, kann eine gemeinsame Recherche eine gute Idee sein. Hier hat man noch große Chancen sie mit Fakten und kritischem Denken zu erreichen. Dabei sollte man sich überlegen, was eine gute Quelle ausmacht und wo man seriöse Informationen finden könnt. Faktenchecker-Webseiten oder staatliche Webseiten sind beispielsweise eine gute Anlaufstelle.

Hier findet ihr Informationen zu Quellen und Faktenchecks:
10 Fragen, die eine gute Quelle beantworten muss
Frag den Faktenchecker

6. Wie geht’s dir?

Verschwörungserzählungen bieten einigen Menschen Sicherheit und Erklärung. Diese Sicherheit ist allerdings trügerisch. Es wird an Dinge geglaubt, die dem eigenen Weltbild und der eigenen Meinung entsprechen, aber nicht den Fakten. Das kann zu Handlungen führen, die einen selbst und andere gefährden.

Oft glauben Personen an Verschwörungserzählungen, weil sie Halt im Leben suchen. Deswegen ist ein ehrliches „Wie geht’s dir?“ oft die bessere Frage, als „Warum glaubst du so einen Blödsinn!?“. Auch wenn es einem sicher schwerfällt, ist es wichtig sich auf Personen, die an Verschwörungserzählungen glauben, einzulassen und herauszufinden, woher dieses Bedürfnis nach Sicherheit und Einfachheit kommt. Manchmal helfen ein offenes Ohr und Verständnis mehr als jeder Faktencheck.

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