4. August 2020

DER KOMPASS

DAS FORMAT FÜR KRITISCHE DENKER

Fake News Guide für WhatsApp und Social-Media

Durch die aktuelle Krisensituation, die durch die Covid-19 Pandemie ausgelöst wurde, schwirren so viele Fake News und Gerüchte wie noch nie durch das Internet.

Häufig verbreiten sich diese auf Social-Media-Netzwerken, wie Facebook und werden hier fleißig geliked, geteilt und kommentiert. Die Weltgesundheitsorganisation WHO spricht sogar von einer sich ausbreitenden Infodemie. Neuerdings erreichen einen Fake News und Gerüchte vermehrt in Form von Kettenbriefen auf Messenger-Apps wie WhatsApp. Diese erhält man meist von Personen, denen man vertraut, so können sie einen stark verunsichern. Allerdings ist das kein Grund zur Panik, denn mit dem richtigen Wissen lassen sich Unwahrheiten schnell und einfach aufdecken!

In unseren anderen Beiträgen haben wir weitere Informationen mit Hintergrundwissen bereitgestellt. Darunter 10 Fragen, die eine seriöse Quelle beantworten muss, wie man Bilder und Videos auf Echtheit überprüft und eine Liste mit seriösen Webseiten, die Nachrichten und Online-Inhalte auf ihre Glaubwürdigkeit testen.

Wie finde ich heraus, ob ein „Kettenbrief“, also eine weitergeleitete Nachricht, auf WhatsApp oder ein Posting im Internet echt ist?

  1. Ergibt die Nachricht bei genauerer Überlegung Sinn?

Zu aller erst, sollte man sich überlegen, ob der Text überhaupt Sinn macht oder ob das Geschilderte vielleicht unschlüssig ist. Oft werden Ratschläge zur Bekämpfung des Virus und von unterschiedlichen Symptomen in den Kettennachrichten vorgestellt, wie wir sie hier als Beispiel angegeben haben. Diese Ratschläge sind sehr oft haltlos, wie uns mimikama.at in diesem Artikel erklärt.

Beispiel eines unseriösen „Kettenbriefs“ auf WhatsApp

Sehen wir uns Nummer 3 genauer an:

Das Virus ist nicht hitzebeständig und wird bei einer Temperatur von nur 26/27 Grad abgetötet. Es hasst die Sonne.“

Das klingt zu schön, um wahr zu sein und ist es auch! Mimikama schreibt hier dazu:

Bisher ist noch absolut unklar, ob wärmeres Wetter die Ausbreitung des neuen Coronavirus eindämmen könnte. Der Tipp mit dem heißen Wasser ist jedoch    vollkommen hanebüchen! Der menschliche Körper hat bereits eine durchschnittliche Körpertemperatur von rund 37 Grad, müsste also absterben, sobald er sich wenige Minuten im Körperinneren befindet. Das Trinken von heißem Wasser hilft da nichts, eher kühlt es das Mageninnere kurz ab, wenn es kälter als 37 Grad ist.“

Ein anderes beliebtes Gerücht handelt von Schließungen und Sperrungen, wie bei diesen Beispielen vom 12.März hier. Hier sollte man sehr vorsichtig werden und nur offiziellen Informationen, näheres bei Punkt 2, trauen. Durch solche Gerüchte, die das Schließen von Lebensmittelgeschäften vorhersagten, kam es zu verstärkten Hamstereinkäufen. Produkte, wie das allseits beliebte Klopapier, waren schlagartig ausverkauft und die Menschen drängten sich eng in den Lebensmittelgeschäften, etwas das eigentlich vermieden werden sollte. Das Gerücht stellte sich am selben Tag als Fake heraus.

Beispiele vom 12. März 2020
für unseriöse „Kettenbriefe“
auf WhatsApp und Instagram!

Überlegt man, welche Folgen es hätte, wenn Lebensmittelgeschäfte zusperren müssten, wird einem schnell klar, dass das wohl eher ein unrealistisches Szenario ist.


2. Was sagen offizielle Stellen und Faktenchecker zu den Inhalten der Nachricht oder des Postings?

Offizielle Stellen sind staatliche Institutionen, wie beispielsweise Bundesministerien, Bundeskanzler und Regierung, sowie deren Webseiten oder die behördenübergreifende Website www.oesterreich.gv.at. Hier findet man sachliche Neuigkeiten und grundlegende Informationen zu der derzeitigen Situation.

Zusätzlich berichten die österreichischen Medien am laufenden Band zu den aktuellen Ereignissen und über das Vorgehen der Regierung. Gute Quellen sind hier die Kanäle des ORF und österreichische Tageszeitungen, wie Standard, Presse, Wiener Zeitung und viele mehr.

Viele dieser Medien und ein „digitaler Krisenstab“ im Bundeskanzleramt haben es sich mittlerweile zur Aufgabe gemacht, diese Fake News und Gerüchte aufzudecken und entsprechende Richtigstellungen zu veröffentlichen.

Ebenso lohnt sich ein Blick auf die Seite der Faktenchecker Mimikama, diese sind Teil des digitalen Krisenstabs und haben bereits viele Fake News und unseriöse Kettenbriefe aufgedeckt. Auf der Website findet ihr eine eigene „Corona“-Abteilung oder könnt das Suchfeld nutzen, um nach Schlagworten zu suchen. Weitere Fakenchecker-Webseiten findet ihr hier. So hat etwa auch die APA eine eigene Faktenchecking Rubrik gestartet.


3. Sind die Inhalte der Nachricht oder des Postings aktuell und beziehen sich auf meinen Standort?

Eine Pandemie bedeutet, dass eine Krankheit sich über Länder- und Kontinentgrenzen ausbreitet. Die Globalisierung und Digitalisierung lassen es zu, dass wir den Verlauf weltweit live mitverfolgen können. Dabei kann es zu Verwirrung, bezüglich der Maßnahmen unterschiedlicher Länder kommen. Ich sollte mich also immer fragen:

  • Was ist der aktuelle Stand der Dinge in Österreich?
  • Ist die Nachricht auf meinen Standort bezogen?
  • Handelt es sich um eine weltweite, EU-weite, österreichweite oder bundeslandweite Maßnahme?

Bei Nachrichten, die weitergeleitet werden, ist es schwierig herauszufinden wann und wo sie das erste Mal ausgeschickt wurden. Sie könnten also in einem anderen Kontext geschrieben worden sein.

Da sich die Ereignisse regelrecht überschlagen, ist es wichtig beim Recherchieren und Nachrichtenlesen im Internet immer auf das Datum und die Uhrzeit zu achten, sowie auf, die Ortsangaben der unterschiedlichen Maßnahmen.


4. Nicht jeder hat einen Verwandten oder Bekannten im Innenministerium und beim ORF!

Oft verweisen die weitergeleiteten Nachrichten auf einen „Verwandten“ oder „Bekannten“, der aus einem Grund Zugang zu Insider-Informationen hat, wie eines unserer Beispiele zeigt. Sind keine konkreten Namen oder Quellen angegeben und kann mir der Absender oder die Absenderin der Nachricht nichts Genaueres dazu sagen, ist Vorsicht geboten!


Wie reagiere ich auf so einen Kettenbrief, eine weitergeleiteten Nachricht oder ein Posting?

Das wichtigste zuerst: Auf gar keinen Fall, sollten solche falschen Inhalte weiterverbreitet werden!

Befolgt man die oben genannten Punkte, ist es möglich, den Wahrheitsgehalt des Kettenbriefes oder des Postings schnell und einfach zu kontrollieren.

Es ist entscheidend, dass jede und jeder von uns dazu beiträgt, dass sich Gerüchte und Fake News nicht weiter ausbreiten. Mach also den Absender oder die Absenderin darauf aufmerksam, dass es sich hierbei um eine unseriöse Nachricht handelt. Zusätzlich kannst du auf eine Quelle verweisen, welche die Nachricht richtigstellt und erklären, wie man den Wahrheitsgehalt von solchen Inhalten herausfindet.

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